Heiraten: Ja! Verheiratet sein? Nein!

Ich würde gerne bald heiraten. Ich finde nur doof, dass man danach eine „verheiratete Frau“ ist. Das klingt allzu erwachsen und nach Atemnot, das müsste ich eigentlich nicht unbedingt haben. Aber eine Hochzeit, die wäre toll – ich wüsste auch schon genau, wie die aussehen sollte. Denn ich komme in diesen Tagen einfach nicht umhin, mich mit den diversen Aspekten einer solchen zu beschäftigen.

Deko bei der Hochzeit meiner Schwester

Deko bei der Hochzeit meiner Schwester

Derzeit heiraten in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis (und seien es nur Menschen, die ich auf Facebook kenne) so unglaublich viele Menschen, zeigen und posten Bilder von pastellfarbenen Candybars, von perlenbesetzten Brautsträußen, von springenden Trauzeugen (ja, das ist eklig, aber trotzdem infiltriert es mein Gehirn), dass ich all das gedanklich schon längst selbst durchgeplant habe. Als wäre es ein Mechanismus, der automatisch losläuft, sobald man schon wieder eine Braut sieht, die durch ein Stoffherz klettert.

Candy von der Candybar

Candy von der Candybar

 

Wie würde ich das machen? Warum tragen alle die gleichen Bustierkleider? Mein Kleid wäre viel schöner. Meine Torte viel größer. Meine Musik wäre aus einem Disneyfilm, und, Mist, diese Braut hat genau die Ärmel am Kleid, die ich auch wollen würde.

Ich träume von diesem Kleid von Lena Hoschek

Ich träume von diesem Kleid von Lena Hoschek

Unterstützt wird dieser Wedding-Wahn, der mich wohl gefangen halten wird bis der Hochzeitsommer in diesen Tagen endlich vorbei ist, auch noch von VOX, wo täglich Bräute in der Sendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ heiraten, um am Ende eine, ja, Reise als Preis für die beste Hochzeit zu gewinnen.

Hier kann man sich oft wunderbar abschreckende Beispiele angucken, dafür, wie man es genau nicht machen will – unlängst feierte eine Dame eine „World of Lovecraft“-Hochzeit, weil sie ihren Mann online im Spiel „World of Warcraft“ kennengelernt hatte…

Aber wäre das nicht vielleicht eine Lösung? Spaß-Hochzeiten feiern, mit allem, was man sich so vorstellt – aber ohne danach so richtig amtlich verheiratet zu sein? Katrin Bauerfeind bemerkte schließlich sehr richtig in ihrem aktuellen Buch („Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“) bezüglich der fünfzigprozentigen Scheiter-Wahrscheinlichkeit einer Ehe, dass doch niemals mehr jemand in ein Flugzeug steigen würde, wenn fünfzig Prozent aller Flugzeuge abstürzen würden. Trotzdem heiraten dauernd alle. Ich bin mir sicher: Nur wegen des Festes. Und der Candybars.

Je jünger, desto begeisterter übrigens: für ganze 57 Prozent der 18 bis 29-Jährigen gehören Ja-Wort und Trauschein „zur Wunschvorstellung von einer Partnerschaft“, so eine repräsentative Umfrage der Partnervermittlung Parship. Altmodisch finden die Institution Ehe gerade einmal drei von hundert Befragten. Also wird das wohl so weitergehen, spätestens im nächsten Frühjahr. Bis dahin werde ich meine persönliche Lieblingshochzeit dann auch komplett fertig geplant haben. Und brauche nur einen Mann, der sie mitfeiert, trotz Disneylieder.

Nur ein Job und der Bräutigam sprach kein Wort. Aber das Kleid war schön.

Das war nicht echt, wir spielten nur. Aber theoretisch schön.

 

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5 Kommentare zu “Heiraten: Ja! Verheiratet sein? Nein!

  1. Das mit dem Vergleichen hört übrigens nach der eigenen Hochzeit nicht auf, im Gegenteil. Jetzt kann man ja nichts mehr „besser“ machen. Wie oft meine Frau und ich nach Hochzeiten schon verglichen haben und entweder den Satz „Aber das hätten wir nicht haben wollen“ oder „Das war aber ne gute Idee“ fallen haben lassen …

    Ach ja: „World of Lovecraft“? So wie der Autor, dessen Gedankenwelt diese Wesen entsprungen sind: http://www.wired.com/wp-content/uploads/blogs/geekdad/wp-content/uploads/2011/06/c-poster.jpg Sicher nicht so gemeint … 😉

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