Das ganze Leben ist ein Timingproblem

Auf dem Weg in einen Disney-Store. Das wäre auch eine gute Bildunterschrift für mein ganzes Leben

Ich habe ein Luxusproblem. Es ist so firstworld-superluxus, dass ich mich gar nicht traue, mich darüber zu beklagen, aber Achtung, hier kommt es: Ich fahre bald in den Urlaub (ja, ich habe einen neuen, teuren Lufthansa-Flug gebucht, für alle, die von meinen AirBerlin-Problemen wissen). Und während ich in diesem wundervollen Urlaub bin (es ist eine Disneycruise, gefolgt von einer Woche New York, also die wohl perfekteste Kombination an Urlaub seit es Urlaub gibt), sind einige andere Dinge. Termine. Einladungen. Die GENAU in diese zwei Wochen fallen. Zum Beispiel die Eröffnung des Disney-Stores in München, samt Fotoshooting mit Mickey und Minnie, „zauberhaften Überraschungen“, natürlich. Außerdem eine andere Reise, nach Wien, worüber ich gerne eine Weihnachtsgeschichte geschrieben hätte, eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion, solche Sachen. Ich war den ganzen Sommer nicht weg, September, Oktober, ich hätte immer gekonnt, zu Terminen reisen können, jederzeit, wo soll ich sein und wann?

Aber da wollte man mich nicht, nirgendwo, die Eröffnung des Disney-Stores wurde immer wieder verschoben, nun also rund um den Tag meiner Abreise, klar, ja. Timing. Ich kenne das schon. Ich bestätige einen Termin – prompt folgen vier andere, genau auf diesen Tag, so dass nichts davon klappt. Ich gehe irgendwo hin – und genau an diesem Tag verpasse ich im Büro diese eine, wichtige Konferenz, in der Umwälzendes besprochen wird. Das sind Zufälle, Timingprobleme – die mich überlegen lassen: Das Leben ist eine einzige, verpasste Chance, voller Risiko, die genau falsche Entscheidung für den falschen Termin am falschen Ort zu treffen. Murphy und so.

Und wenn das im Berufsleben schon für so viel Chaos sorgt (übrigens, was habe ich für einen tollen Job, dass ich SCHÖNE DINGE verpasse, während ich Urlaub mache??), wie ist das dann wohl erst in Sachen Schicksal, Liebe? Wo sich die Termine nicht ankündigen, wo wir nicht mal wissen, was wir verpasst haben, dadurch, dass wir nicht dort, sondern woanders waren? Was für ein unfassbarer Zufall ist es bitte, überhaupt jemals jemanden zu treffen, kennenzulernen, den man gut findet? Ich finde das eigentlich ganz und gar unglaublich, dass das bei manchen Menschen klappt.

Man hat das nicht in der Hand, es müssen so viele Kräfte, Schwingungen oder einfach das fiese, miese Schicksal es gut damit meinen, einen selbst UND jemand passenden zum selben Ort, am selben Tag zu schicken, dass es eigentlich gar nicht wahr werden kann. Es ist wahrscheinlich gut, dass man nicht weiß, was hätte sein können. Oder nichts. Ich zum Beispiel existiere nur, weil ein Flugingenieur einer Lufthansa-Crew sich vor 31 Jahren krank gemeldet hat, mein Vater einsprang, denselben Flug flog, wie meine Mutter undsoweiter. Vielleicht hatte der kranke Mann ein verdorbenes Fischbrötchen gegessen? Vielleicht hat er kurz überlegt – esse ich das jetzt noch? Ach komm, ja, warum nicht? Und ein kurzer, anderer Gedanke (Ach nein, ich bin eigentlich satt) oder ein anderer Mensch (Komm, Karl, wir gehen nach Hause – Ok, dann lasse ich das Brötchen!) hätte – für mich – dramatischste Auswirkungen gehabt. Ohne, dass es jemand gewusst hätte! Schmetterling und Erdbeben. Oder eben kein Erdbeben.

Gibt es hier nun ein Fazit, eine Moral von der Geschicht? Wer weiß, was ich in Wien erlebt hätte, wen ich treffen würde. Aber auch: Was in diesem Urlaub geschehen wird. Früher gab es dieses Bücher, am Ende bestimmter Abschnitte durfte man eine Entscheidung treffen und dann auf Seite X oder Y weiterlesen. Ich habe es nie ausgehalten, die andere Variante nicht auch zu lesen. Wenn das im Leben möglich wäre, wären wir wohl längst alle verrückt. Und würden gar nichts mehr entscheiden, um nichts zu verpassen oder falsch zu machen.

Ich glaube auch nicht an Trostsprüche wie „Wenn es sein soll, wird es passieren.“ Nein. Ich glaube, man kann krasses, unfassbares Pech haben und Chancen und Bekanntschaften seines Lebens verpassen. Wie man eben auch Glück haben kann, auf Menschen und Möglichkeiten treffen. Es liegt an einem selbst, das zu akzeptieren und nicht zu hadern.

Mir fällt das schwer. Ich meine: Disney-Store-Eröffnung!

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