„Wir“-Pärchen – soll man sie mögen oder hassen?

Frosch oder Prinz oder Mann oder was?

Also, WIR mögen es gern grün.

Bislang kannte ich sie eigentlich nur vom Hören-Sagen. Diese Wir-Pärchen. Ja, dass man die zu hassen hat, war mir immer klar, aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es das eigentlich nie. Paare, die nur in Wir-Sätzen sprechen: „wir haben heute keine Zeit“, „wir mögen Helene Fischer“, davon hatte ich immer nur gelesen, gehört, darüber gelästert und sie aus der Ferne verlacht. Auch, weil ich mehr einzelne Menschen kenne und die mit mir befreundeten Pärchen natürlich alle viel zu cool sind, um so zu sprechen. Bis zum vergangenen Wochenende, das ich nämlich mit genau einem solchen Paar verbrachte.

Sie macht was mit Mode, er war dafür da, sie dabei zu fotografieren, außerdem haben die beiden, natürlich, eine gemeinsame Firma. Arbeiten gemeinsam von zu Hause aus, reisen viel gemeinsam, so nun eben auch zu dieser Mode-Veranstaltung. Und da war es, das erste Wir-Pärchen, das ich aus nächster Nähe miterlebte: „Wir mögen kein Fleisch“, war noch harmlos, weiter ging es mit „Wir haben ein leckeres Salat-Dressing entwickelt“, bis zu „wir lieben Kürbiskernöl“. Und komischerweise habe ich die beiden dann gar nicht gehasst.

Nein, vielmehr fand ich das irgendwie niedlich-harmonisch und habe wie eine gütige Großmutter auf dieses so offen kommunizerte Glück geblickt. Auch, weil sie so selbstverständlich von „uns“ sprachen, dass es nicht angeberhaft wirkte, sondern einfach nur so selbstverständlich, als gebe es eben einfach kein „ich“. So. Ich fragte mich dann, warum es denn eigentlich zum guten Ton gehört, „Wir-Pärchen“ zu hassen. Denn das liegt doch nur an uns, die kein „Wir“ sind, oder?

Das Pärchen schließt uns nämlich ganz offensichtlich aus, macht sich gar nicht die Mühe, so zu tun, als bräuchte es noch andere Menschen als den Partner – und das stört die anderen in ihrem Stolz. Also, warum lässt man sie nicht einfach im Pluralis Paaristatis sprechen und glücklich sein? Diese großmütigen Gedanken hatte ich und fühlte mich ganz weise. Bis wir uns gemeinsam auf den Heimweg vom Abendessen machten und sie sich mit ihren hohen Schuhen etwas schwer tat. Da sagte er nämlich: „Kürzlich sind wir mit unserem Absatz in einem Loch stecken geblieben und haben ihn uns abgebrochen.“Und dann war es mit einem Schlag mit meiner Nachsicht vorbei. Lasst uns Wir-Pärchen hassen!

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