Das große Tinder-Spiel

tinder

Nun ist die Dating-App „Tinder“ ja schon länger nichts Neues mehr. Ihren größten Reiz hat sie bereits verloren, dennoch tindern Singles unter dreißig eifrig vor sich hin. Kurz zur Erklärung, für die, die es (noch) nicht tun: Die App schickt zeigt dem Nutzer die Facebook-Profilfotos anderer Singles, außer diesem Foto, dem Alter und der Anzahl gemeinsamer Freunde gibt es keine weiteren Informationen. Wer möchte, kann sich in einem kurzen Satz oder ein paar Stichwörtern vorstellen, doch dann soll man nach einem Blick entscheiden: Wische ich das Foto mit einer schicksalshaften Handbewegung nach rechts (und erlaube dem anderen damit eine Kontaktaufnahme) oder nach links (und sage Nein)? Wenn die Entscheidung beider Singles übereinstimmt, können sie über den Chat der App losflirten, sich verabreden und verlieben.

So die Theorie.

In der Praxis zeigt sich Tinder inzwischen als Werkzeug, um sich zum spontanen Sex zu verabreden – die App schlägt einem nämlich praktischerweise Nutzer vor, die sich in der Nähe befinden. So scheitert meine Freundin Josefine regelmäßig an Jungs, die auf ihre wohldurchdachten und charmant-ironischen Nachrichten mit „Hä? Bock auf Treffen?“ antworten. Dabei kann sie sich eigentlich fast schon glücklich schätzen, überhaupt mit einer Antwort bedacht zu werden. Zwei meiner männlichen Freunde nämlich (und sie sind da nicht die einzigen) verwenden Tinder als eine Art Reality-Handy-Spiel zum Punkte-Sammeln. Obwohl beide eine Freundin haben tindern sie sich begeistert durch die Frauenwelt in ihrer Umgebung. Matthias, der seit zehn (!) Jahren mit seiner Freundin zusammen ist, zählte unlängst an nur einem Tag vierzig Matches mit, logischerweise, vierzig Frauen, was er nur allzu euphorisch seinem besten Freund Markus per Whats App mitteilte.

Zur besseren Ansicht schickte er auch gleich ein paar Beispielfotos der er-tinderten Frauen mit, das solle Markus doch mal schlagen. Der spielt das Tinder-Spiel unter erschwerten Bedingungen, arbeitet nämlich mit einem Comic-Bild von Superman – „krass, oder, da klicken Frauen trotzdem Ja an!“. Keiner von beiden kontaktiert je eine der Frauen, mit denen sie ein Match haben, noch antworten sie auf Nachrichten von ihnen. Vielleicht hilft diese Hintergrundinformation ja so manchem Mädchen, das sich über ausbleibende Reaktionen eines Mannes wundert, der doch eigentlich per Klick Interesse bekundet hatte. Sie wollen eben nur spielen.

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4 Kommentare zu “Das große Tinder-Spiel

  1. Ich hatte eine ähnliche App Idee. Die ich „Fuck me and Fuck you!“ nennen wollte. Das muss wohl in dem gleichen Zeitraum gewesen sein sprich 2012. Nun gibt es Tinder. Von der Idee einfach und simpel und es spiegelt ganz gut das Mingel dasein unserer Zeit wieder.

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