Liebe Tinder-Männer, ist das Euer Ernst?

Die beiden sind glücklich zu zwei. Aber kennen sich bestimmt nicht über Tinder

Die beiden sind glücklich zu zwei. Aber kennen sich bestimmt nicht über Tinder

In dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit möchte ich diese Stelle nutzen, um relativ unkommentiert eine kleine, private Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die man sich so erzählt, wenn man spricht – über Männer, Dates und Tinder, aber auch eine Geschichte, die man kaum glauben mag und zu der man gar nichts sagen kann, wenn man sie anderen erzählt.

Meine liebe Freundin Tanja hat nach einigem Zögern unlängst erstmals diese sogenannte und vielbesprochene Datingplattform Tinder ausprobiert. Das hat ihr schon von Anfang an gar nicht so viel Spaß gemacht, da Jungs häufig nur chatten, sich aber nicht treffen wollten und oft Unterhaltungen anfingen, die sie dann nie zu Ende führten. Das Übliche eben.

Dennoch verzagte sie nicht und machte Dates aus, mit denen, mit denen das am Ende möglich war. Einer sagte ziemlich kurzfristig ab. So kurzfristig, dass sie schon in dem Café saß und wartete – aber, hey, immerhin hat er sich gemeldet! Das tun nämlich nicht alle. Bei ihrem zweiten ersten Date wartete sie eine Weile und noch eine Weile und nach einer weiteren Weile war klar, dass er wohl gar nicht mehr kommen würde.

Weil sie sich die ganze Zeit nervös umsah, fragte irgendwann ein Mädchen am Nebentisch, ob denn alles in Ordnung sei. „Ja ja, ich wurde nur eben versetzt, das ist ein bisschen komisch. Aber alles gut“, antwortete Tanja. „Tinder, oder?“, fragte das Mädchen. Hach, ja. Man kennt das.

Weil aber mit „Tinder, oder?“ nicht alles entschuldigt ist, schrieb Tanja am Abend dem jungen Mann, dass es nicht gerade von Anstand zeuge, eine Frau so kommentarlos in der Bar sitzen zu lassen.

Was dann kam, kannte ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Zunächst wenigstens mal eine prompte Antwort. Doch die lautete: „Fass dir doch erst mal an die eigene Nase!“ Es sei nämlich so gewesen: „Ich habe dir am Dienstag um 18:32 Uhr geschrieben – und du hast das gesehen, aber bis Donnerstag, 17:12 Uhr nicht geantwortet! Jetzt siehst du eben mal, wie das ist. Wie sich das anfühlt!“ Jaha. Und jetzt werde sie es sich wohl genauer überlegen, ob sie noch mal jemanden so lange warten lasse.

Dass er zu einem verabredeten Treffen nicht erschienen war, war also als Strafe für (nach seinem Empfinden) verspätetes Zurückschreiben gedacht – und, noch schlimmer, er verkaufte es gar als Erziehungsmaßnahme. Wie viele Männer Frauen da schon wie viele Tage an irgendwelche Plätze hätten bestellen müssen, mag man gar nicht ausrechnen.

Man könnte überhaupt nun so unendlich viel dazu sagen, schreiben, Online-und mobiles Dating in Frage stellen, über dauernde Erreichbarkeit philosophieren und darüber, in welche Situationen uns blaue What’s App-Haken bringen können – aber weil das die Energie vielleicht einfach nicht wert ist, und manchmal auch einfach der gesunde Menschenverstand reichen muss, um Situationen zu bewältigen und einzuschätzen, soll eines reichen: Tanja, sei bitte einfach nur froh, dass du dich mit diesem Menschen nicht treffen musstest.

Außerdem hat ein Single-Weihnachten auch so seinen Reiz – man kann in Ruhe mit dem Barbie-Traummobil aus den 90ern spielen und jeden Fingernagel in einer anderen Farbe lackieren. Mehr Tipps im Video

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Fünf Fragen, fünf Antworten – Liebster-Award

 

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Ich wurde von der tollen Sabine Wirsching nominiert, im Rahmen des „Liebster-Award“ (ach, was für ein schöner Name) fünf Fragen zu beantworten. Das mache ich gerne!

Das Leben ist schön, wenn…

… es mich machen lässt, wie ich gerne möchte. liebster-blog-award-2-post1

Was ist dein größter Antrieb?

Der Drang, einfach mal in Worte fassen zu müssen, was mich bewegt. Wenn es nämlich andere auch bewegt, wenn ich höre, dass ich damit manchmal irgendwie ein kleines Bisschen richtig lag.

Der Mensch, den ich am meisten bewundere, ist …

… Paul Watson? Weil er ziemlich heldenhaft ziemlich Großartiges für die Tierwelt tut.

Stell dir vor, es wird ein Text geschrieben und keiner liest ihn. Ist er dann da?

Das ist eine interessante Frage. Erinnert mich an stundenlange Diskussionen während meines Theaterwissenschaftsstudiums, zu Themen wie „exisitiert ein Foto?“ und so.

Ja, der Text ist da. Und das ist immer ein gutes Gefühl, weil ich es jedes Mal unglaublich finde, dass es mir gelungen ist, wirklich zu Buchstaben zu machen, was ich so im Kopf hatte. Vorher kann ich mir das nämlich nie vorstellen, dass das klappen könnte.

Wenn den Text dann noch jemand liest, ist es natürlich umso hübscher.

Stellt sich dir die Frage, gezielt auf Leserschaft hin-zuschreiben, oder schreibst du nur, was dir selbst am Herzen liegt und wie es dir am Herzen liegt?

Ich glaube nicht, dass das funktioniert, irgendwie merkt man Texten an, wenn sie versuchen, einen Stil zu imitieren. So soll  lesen, wer mich mag, ich möchte mich nicht anzubiedern versuchen. Und Herzen sind immer gut.